Freitag, 22. Oktober 2010

Vom Ackerland zum Romantik-Garten...Teil 1



Lang , lang ist´s her, da zogen zwei Erwachsene und vier kleine Kinder aus einer großen 4-Zimmer Wohnung eines Zweifamilienhauses, um in ein eigenes Haus.

Nein, neu  gebaut war es nicht das Haus, sondern  schon 10 Jahre alt und somit von uns "gebraucht gekauft"

Was allerdings, angesichts des völlig verunkrauteten Grundstücks, ohne jede Bepflanzung, aber mit Zaun :-))), kaum zu glauben war.
Keine Büsche, Pflanzen oder sonstetwas, was  ein Gartengrundstück auch nur erahnen ließ.


Warum unbeplanzt und völlig verwahrlost, ist die traurige Geschichte der Vorbesitzer und gehört nicht hierher.

Um ehrlich zu sein, GANZ unbepflanzt ist eigentlich gelogen, denn im sogenannten Vorgarten standen einsam und verlassen eine Birke und ein Vogelbeerbäumchen.

Mittlerweile, inzwischen sind über 30 Jahre vergangen die wir hier schon wohnen, fiel die Birke leider der Säge zum Opfer und aus dem Bäumchen ist ein stattlicher Vogelbeerbaum geworden, der uns regelmäßig im Frühjahr mit seinen cremeweißen Blüten und wunderbarem Duft verwöhnt.
An seinen leuchtenden roten Beeren können wir uns dagegen immer nur kurz erfreuen. Da wir mitten in Feld, Wald und Flur wohnen, mit allen möglichen Büschen und Bäumen in der Umgebung aber OHNE einen einzigen weiteren Vogelbeerbaum, sind die Vögel schneller, als wir oft gucken können, wenn es ans Ernten der leckeren Beeren geht.

Doch zurück zu den Anfängen!
Eingezogen sind wir Weihnachten 1979. Berufliche Gründe meines Mannes ließen uns keine andere Wahl, als es genau über weihnachten und neujahr zu tun.

Also wurden die Kinder bei Oma und Opa "deponiert". Uns Eltern sahen sie in den nächsten Tagen immer nur kurz, nämlich wenn wir schnell zum Essen kamen und danach auch schon gleich wieder in unsere neue "Hütte" verschwanden, wo uns, außer tausend Kisten und Kartons sowie zwei Matrazen auf dem Fußboden, nichts, aber auch rein gar nichts an  weihnachtlicher Gemütlichkeit erwartete.

Nun ja, auch dieses Fest ging vorüber. Wir hatten viel geschafft in den Tagen und als wir die Kinder wieder nach Hause holten, war vom großen Chaos zwischen halbfertig aufgebauten Möbeln und  teilausgepackten Kartons nichts mehr zu sehn.

Noch gab es im Haus aber viel zu tun, was aber weiter nicht schlimm war, denn  draußen herrschte ja noch  Winter, der "Garten" hatte also noch Zeit, bis wir ihn in Angriff nehmen konnten.

Doch dann bekamen wir das Angebot, bei einem Bekannten
-schon ziemlich stattliche-
Lärchen ausbuddeln zu dürfen, damit wir wenigstens schonmal was gegen den kalten Wind auf der Ostseite des Grundstückes pflanzen könnten.

Oh jaaaaa....daaaanke schön....das machen wir!!!!!!! Wir kommen!!

Ob wir so freudig ja gesagt hätten, wenn wir da schon gewußt hätten, welche Plackerei uns bevorstand????

Aber es war gerade fast frostfrei, lediglich einen Hauch von Schnee hatte es gegeben, die Erde also gut  zu bearbeiten und das Frühjahr - und damit der Austrieb der Bäume- kam immer näher. Also los!

Über den Transport hatten wir uns bis dahin noch nicht die geringsten Gedanken gemacht. Allerdings ahnten wir da auch noch nicht, WIE stattlich der so angepriesene "Windschutz" sein würde, hahahahahaaaaaa.

Seht es Euch am besten an. Wie mein Mann die 15km Fahrstrecke damals -und das mehrmals- bewältigt hat, noch dazu ohne von der Polizei angehalten zu werden, ist mir heute noch schleierhaft, denn bei einigen Fahrten versperrten ihm die Äste auch vorn fast gänzlich die Sicht.


Aber wir haben es geschafft: die Lärchen fanden alle einen Platz und ob Ihr es glaubt oder nicht:
Keine einzige davon ist eingegangen!

Die ganze Aktion fand gerade noch rechtzeitig statt!

Denn kurz darauf fiel der Schnee in dicken Flocken vom Himmel.
Die Kinder waren überglücklich, denn hier, in unserer einsamen Wildnis, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagten, fuhr kein Auto die weiße Pracht zu braunem Matsch zusammen oder fegte ein übereifriger Hausmeister den weichen Teppich unbarmherzig auf einen Haufen.

Die frisch gepflanzten Lärchen bezauberten mit ihrem Kleid aus weißem Puderzucker und der wilde Acker rings ums Haus verschmolz in der Sonne mit den umliegenden Feldern zu einer glitzernden Traumlandschaft.

Wir fühlten uns schon damals rundum wohl in unserer neuen Heimat.


Fortsetzung folgt!

Leider läßt die Qualität der Bilder sehr zu wünschen übrig. Ich habe sie aus einem Album abfotografiert. Da sie ja aber schon vor über 30 Jahren aufgenommen wurden, sind sie teilweise doch sehr vergilbt.
Die kleine Maus, auf dem Bild mit dem Auto, ist unsere jüngste Tochter und heute bereits 34 Jahre alt......................wo sind die Jahre bloß geblieben????
Bis zum nächsten Mal alles Liebe
Gaby



Kommentare:

Neuer Gartentraum hat gesagt…

Hallo Gaby,
da erzählst du ja eine tolle Geschichte und ich freue mich schon auf die nächste Folge.
Ich finde es sehr interessant mitzuerleben wie ein Garten entsteht. Euer neues Heim stand wohl weit ab vom nächsten Nachbarn. Ist das bis heute so geblieben?
LG Anette

Lawina - Beads hat gesagt…

Hallo Gaby,

so ein kahler Garten sieht mehr als trostlos aus, aber hat auch den Vorteil, das Ihr EURE Vortellungen verwirklichen konntet.

Bin auch sehr gespannt auf die Fortsetzung!

Liebe Grüße und einen schönen Freitag, Ina

Sara Mary Waldgarten hat gesagt…

Wie spannend! Und wow, da wart Ihr aber mutig, was die Lärchen betrifft! Richtig abenteuerlich! :-) Das ist eine Schwei....arbeit! :-) Wir haben ja auch schon alles Mögliche in unseren Gärten auf uns genommen, daher kann ich das alles sehr gut nachvollziehen. Und unser jetziger Garten war auch ziemlich kahl für meinen Geschmack, noch dazu an der Straße gelegen, von allen Seiten einsehbar *grusel* - dabei kann man weder entspannen noch ist das Klima im Garten angenehm. Das wird erst jetzt so langsam .... ein angenehmes Klein-Klima bildet sich erst durch den Bewuchs und verbesserte Bodenqualität, die das Wasser in den oberen Bodenschichten gut hält. Unser Boden ist lehmig-tonig und wenn es sehr heiß ist, bildet er Risse und wird knallhart einige Zentimeter tief.

http://mein-waldgarten.blogspot.de/2013/07/im-garten-sieht-es-bose-aus.html

Die Regenwürmer verpacken sich dann zu Päckchen, um in der Tiefe in einer Art "Kammer" zu überleben. So etwas habe ich in anderen Gärten noch nie erlebt!

http://mein-waldgarten.blogspot.de/2015/08/regenwurmer-im-durrestress.html

Dazu liegen wir auf einer Endmoräne - wenn wir graben, befördern wir schon bald Steine über Steine zutage. ;-) Dafür ist der Boden sehr fruchtbar. Aber Jungpflanzen haben es sehr schwer. Es wird erst langsam besser, nachdem ich mit dem Mulchen begonnen habe und viele Beete mit schönen Bodendeckern bewachsen lasse, damit es keine nackte Erde mehr gibt.

Deinen Boden finde ich aber auch sehr spannend - ölig an der Oberfläche, wie ich gelesen habe. Wir wohnten auch schon mal Richtung Heide, doch die Bodenbeschaffenheit war noch ein wenig anders.

Alles Liebe
Sara